Lebenswer(k)t - Altersarmut begegnen

Wenn Sie aktuell besonderen Unterstützungs- und Beratungsbedarf haben, z. B. weil Sie Ihr Haus während der Corona-Pandemie nicht verlassen können oder wollen, nehmen Sie mit unserer Beraterin Melanie Haslage Kontakt auf.

Immer mehr ältere Menschen können allein von Ihrer Rente nicht mehr leben. Die Zahl verschuldeter Senioren in Deutschland steigt stetig. Die Gründe für Armut im Alter sind Verschiedene: niedrige Renten, hohe Kosten für die medizinische Versorgung, der Tod des Partners und der daraus resultierende Wegfall eines Einkommens.

Betroffen sind aufgrund ihrer häufig lückenhaften Erwerbsbiographie und der Auflösung traditioneller Familienstrukturen insbesondere Frauen.

Die Folgen:

Die Betroffenen ziehen sich zurück – die Situation bedrückt die sie sehr. Sie sind immer häufiger alleine. Dazu kommt das zermürbende Gefühl, Schuld zu haben - und große Scham, das Gefühl des Scheiterns.

„Ich habe 37 Jahre lang gearbeitet, trotzdem reicht meine Rente in Höhe von 810 € nicht aus:  420 € Miete, Strom, Heizung, Lebensmittel - da bleibt nicht viel übrig. Beim Sozialamt war ich, als ich in Rente ging. Ich soll mir eine günstigere Wohnung suchen, sagte man dort. Meine sei zu teuer. Ich lebe schon sehr lange in der kleinen Wohnung. Hier will ich auf keinen Fall weg, hier ist alles so vertraut. Also muss ich es irgendwie ohne Unterstützung schaffen. Ich sammele nebenher leere Pfandflaschen, mit Lebensmitteln versorge ich mich bei der Tafel, Kleidung kaufe ich in der Kleiderkammer. Meine Armut ist mir oft peinlich. Ich muss ständig rechnen und auch verzichten. Ich bin geschieden und habe zwei Kinder, die nur wenig verdienen und weit weg wohnen. Wegen der Kinder musste ich mehrere Jahre in Teilzeit arbeiten, ansonsten immer in Vollzeit – und dann nur so wenig Rente. Wenn man sein Leben lang gearbeitet hat, muss es im Alter doch zum Leben reichen. Nach Abzug aller Kosten bleiben aber nur 210 Euro im Monat – gerade mal 7 Euro pro Tag.

Es ist schön zu wissen, dass ich auf die Unterstützung durch einen Ehrenamtlichen aus dem Projekt „Altersarmut begegnen“ vom SkF zählen kann. Als die Stromrechnung nicht stimmte, hat er mir geholfen. Auch die Angst vorm Amt hat er mir genommen, einen Antrag auf Wohngeld haben wir gemeinsam gestellt. Ich bekomme zwar nicht viel, aber mir hilft jeder Euro.“

(Frau S., 69 Jahre)

Der SkF hilft!

Wir unterstützen gemeinsam mit Ehrenamtlichen Helfern die Betroffenen, einen Weg aus dieser Situation zu finden.

Die Ehrenamtlichen helfen, einen Überblick über die finanzielle Situation zu bekommen. Durch praktische Hilfe, wie dem Ordnen von Unterlagen, die finanzielle Haushaltsplanung, die Begleitung bei Ämtergängen zur Sicherung der Rechte und Ansprüche, die Unterstützung bei der Korrespondenz aber auch durch die Vermittlung zu weiteren Diensten soll gemeinsam ein Ausweg aus der Situation gefunden werden. Bei Bedarf wird durch die Projekt-leitung Kontakt zu den Gläubigern aufgenommen, mit diesen verhandelt, Pläne zur Entschuldung erarbeitet und gegebenenfalls gemeinsam mit Ihnen ein Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Unser Beratungsangebot ist kostenlos und richtet sich an ältere Menschen im Tecklenburger Land, die von Armut gefährdet oder betroffen sind.

„Manchmal dachte ich morgens, ich bleib' einfach liegen. Aber es muss ja irgendwie weitergehen.

Ich war zweimal verheiratet. Mein erster Mann starb, die zweite Ehe wurde geschieden. Eine Berufsausbildung habe ich nicht. Mein zweiter Mann hatte einen Imbiss, dort habe ich mitgearbeitet. Zuerst seine Pleite, dann die Trennung. Da entstanden dann meine Schulden. Ich hatte nichts, habe viel zu spät Leistungen beim Amt beantragt, wusste auch gar nicht wie. Ich wollte alleine zurechtkommen. Ich war Mitte 50, wollte unbedingt arbeiten, für mich selber sorgen. Beim Arbeitsamt konnte man mir nicht helfen. Ich habe schließlich selber eine Stelle als Küchenhilfe gefunden. Da das Einkommen nicht reichte, musste ich eine zweite Stelle als Putzfrau annehmen. Das fällt mir häufig schon ziemlich schwer. Jetzt reicht das Geld gerade so, um über die Runden zu kommen. Extras sind nicht drin. Und dann sind da ja auch noch die Schulden.

Seit einigen Monaten unterstützt mich eine Ehrenamtliche vom SkF. Sie kommt regel-mäßig zu mir, hört zu und hilft. Eine angedrohte Stromsperre konnte verhindert werden. Wir haben einen Haushaltsplan erstellt und die Forderungen der Gläubiger sortiert. Diese werden jetzt mit Unterstützung der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle bear-beitet. Endlich rufen die Gläubiger nicht mehr ständig an und drohen mir. Jetzt fällt mir das Aufstehen am Morgen auch nicht mehr so schwer.“

(Frau M., 64 Jahre)

Ihre Ansprechpartnerin im Projekt

Melanie Haslage
Dipl. Sozialarbeiterin /-pädagogin
Oststraße 39
49477 Ibbenbüren
Telefon: 0 54 51 - 96 86 - 70
E-Mail: haslage@skf-ibbenbueren.de